Die Zukunft des Welthandels

Ob TTIP, CETA oder die protektionistischen Ambitionen von Donald Trump: der Streit über die Ordnung des globalen Handels ist in vollem Gange – nicht nur unter Ökonominnen und Ökonomen. Das ist gut so, denn für uns ist klar: Bei internationalem Handel geht es nicht nur um Effizienz und Verteilungsfragen. Er hat soziale Auswirkungen, ökologische und kulturelle.

Dennoch bleiben viele drängende Fragen zu diesem Thema selbst in einem VWL-Studium undiskutiert. Die universitären Veranstaltungen beschäftigen sich im Kern mit ökonomischen Modellen und vermitteln die notwendigen mathematischen und methodischen Fähigkeiten – aktuelle Themen kommen höchstens als Fallbeispiel am Rand vor. Daher organisieren wir im Sommersemester 2018 eine Ringvorlesung an der Universität zu Köln, die genau diese Themen in den Mittelpunkt stellt.

Hier findet ihr alle Infos zur Anrechnung der Ringvorlesung im Studium Integrale. Wenn ihr Fragen zur Prüfungsleistung habt, klickt auf diesen Link.

Marxismus

Die klassischen und neoklassischen Außenhandelstheorien zielen darauf, zu zeigen, dass der internationale Handel allen beteiligten Staaten nützt oder die Vorteile zumindest die Nachteile überwiegen. Zu diesem Zweck wurden Modelle konstruiert, die auf vollkommen unrealistischen Annahmen beruhen. Eine Kritik dieser Modelle und Annahmen auf der Basis der Marxschen Theorie führt zu einer anderen Sicht auf die internationale Wirtschaft: Ihre Subjekte sind nicht einfach Staaten, sondern soziale Klassen; der Außenhandel muss als Teil der Internationalisierung des Kapitals und damit als Teil der bürgerlichen Klassenherrschaft und der Ausbeutung der Arbeitskraft begriffen werden.

Am 30. Mai erlaubt uns Thomas Sablowski eine Sicht auf den Welthandel durch Marx Augen. Haben bisherige Dozenten eher einzelne Punkte im Handelssystem kritisiert, stellt Sablowski das kapitalistische System als solches infrage. 

Datum: 30.05.2018   –   Ort: Hörsaal XXIV (Wiso-Schlauch)  –  Zeit: 17:45 Uhr 

Warum Schiedsgerichte verändert werden müssen

Von Nora Kolhoff Vor internationalen Schiedsgerichten können Firmen Staaten verklagen und so ihre Investitionen im Ausland sichern – ein Verfahren, das tausende Kritiker auf die Straßen trieb. Ist das System noch reformierbar? ­­Spricht man über Schiedsgerichte, fällt in Deutschland fast immer ein Name: Vattenfall. Ein schwedisches Unternehmen verklagt die Bundesregierung, und zwar vor einem Schiedsgericht …

Afrikanische Länder sind im Welthandel machtlos

Von Lara Janssen Im Welthandel sind Macht und Einfluss ungleich verteilt. Vor allem afrikanische Länder südlich der Sahara geben selten den Ton an. Fünf Gründe, warum das in Zukunft wahrscheinlich so bleibt. Die Regeln des Welthandels sind das Ergebnis von unterschiedlich verteilter Macht. Oft nutzen sie vor allem Industrieländern wie den USA oder Deutschland. Die …

Schiedsgerichte

Die Diskussion um TTIP wurde oft emotional, sobald das Wort “Schiedsgerichte” fiel. Die Entscheidungsgremien tagen unabhängig von staatlichen Gerichten. Stimmten wir TTIP zu, würden wir unsere Gerichtsbarkeit aushöhlen, hieß es oft.

TTIP ist in dieser Form nun vom Tisch. Schiedsgerichte gab es aber auch vor der Diskussion schon, und sie existieren weiterhin. Ist die Gerichtsbarkeit also schon ausgehöhlt? Oder sind die Schiedsgerichte ein wichtiger Mechanismus im internationalen Handelsgefüge?

Diese Fragen wollen wir mit Jun.-Prof. Julian Scheu (International Investment Law Centre Cologne) und Dr. Rhea Hoffmann (Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Markus Krajewski, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) in einem Streitgespräch ausdiskutieren. Scheu betont, warum Schiedsgerichte entstanden sind. Früher kam es bei Investitionsstreitigkeiten nämlich teils sogar zu militärischen Auseinandersetzungen. Wollen wir dahin zurück? “Aufgrund der aktuellen Defizite müsste man die klassische Staats-Investor-Schiedsgerichtbarkeit abschaffen”, sagt Hoffmann hingegen.

Am 16. Mai geht es um 17:45 Uhr los. Moderiert wird das Streitgespräch von Lara Müller (Studentin an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft).

Datum: 16.05.2018   –   Ort: Hörsaal XXIV (Wiso-Schlauch)  –  Zeit: 17:45 Uhr

Streitgespräch verpasst? Hier könnt ihr euch die Videoaufzeichnung der Sitzung ansehen!

Macht

Die Rolle der WTO , Freihandelsabkommen und Machtgefälle

Der Welthandel folgt Regeln, die in der Welthandelsorganisation (WTO) kodifiziert sind. Daneben existiert eine Vielzahl bilateraler und regionaler Freihandelsabkommen, die ebenfalls auf Verträgen basieren. Sind diese Regeln ein Schutz vor der Macht des Stärkeren? Oder sind schon die Regeln das Ergebnis von Macht und nützen nur stärkeren Ländern? Welchen Einfluss hat ein Einzelner an wichtiger Stelle (eine Frage, die sich nicht erst, aber verstärkt stellt seit Donald Trump Präsident ist)? Und wie müsste eigentlich ein Welthandelssystem aussehen, das den internationalen Nachhaltigkeitszielen gerecht wird?

Datum: 09.05.2018   –   Ort: Hörsaal XXIV (Wiso-Schlauch)  –  Zeit: 17:45 Uhr

Ihr habt es nicht zur Ringvorlesung geschafft? Hier könnt ihr euch die Videoaufzeichnung vom 9. Mai anschauen.

Außerdem hat Lara Janssen wieder einen Blogbeitrag für uns geschrieben:

Afrikanische Länder sind im Welthandel machtlos

Im Welthandel sind Macht und Einfluss ungleich verteilt. Vor allem afrikanische Länder südlich der Sahara geben selten den Ton an. Fünf Gründe, warum das in Zukunft wahrscheinlich so bleibt.

China

Letzte Woche: Die Volksrepublik China  – neuer Champion des Freihandels?

Viele Beobachter sehen die Weltwirtschaft am Anfang eines Handelskrieges zwischen den USA, der Europäischen Union und der Volksrepublik China. Seit einigen Jahren präsentiert sich die Staats-und Parteiführung der Volksrepublik als Befürworter einer fairen, inklusiven und demokratischen globalen Wirtschaftsordnung.

Doch wie offen und fair ist Chinas eigene Wirtschaftsordnung? Wie unabhängig und marktwirtschaftlich orientiert handeln seine großen Unternehmen? Entwickelt sich die Volksrepublik 40 Jahre nach Beginn der Politik der Reform und Öffnung tatsächlich zu einem Champion des Freihandels?

Hierzu hat Prof. Jörn-Carsten Gottwald am 25. April bei uns einen Vortrag gehalten. Hier findet ihr die Videoaufzeichnung der Veranstaltung.

Hier gibt es außerdem unseren Blogbeitrag:

Warum China kein Champion des Freihandels ist

Chinas Rolle im Welthandel ist gigantisch, und wird noch größer. Der Staatspräsident verkündete schon oft, den chinesischen Markt für Freihandel zu öffnen. Das ist aber nur ein rhetorischer Trick.