Die Zukunft des Welthandels

Ob TTIP, CETA oder die protektionistischen Ambitionen von Donald Trump: der Streit über die Ordnung des globalen Handels ist in vollem Gange – nicht nur unter Ökonominnen und Ökonomen. Das ist gut so, denn für uns ist klar: Bei internationalem Handel geht es nicht nur um Effizienz und Verteilungsfragen. Er hat soziale Auswirkungen, ökologische und kulturelle.

Dennoch bleiben viele drängende Fragen zu diesem Thema selbst in einem VWL-Studium undiskutiert. Die universitären Veranstaltungen beschäftigen sich im Kern mit ökonomischen Modellen und vermitteln die notwendigen mathematischen und methodischen Fähigkeiten – aktuelle Themen kommen höchstens als Fallbeispiel am Rand vor. Daher organisieren wir im Sommersemester 2018 eine Ringvorlesung an der Universität zu Köln, die genau diese Themen in den Mittelpunkt stellt.

Hier findet ihr alle Infos zur Anrechnung der Ringvorlesung im Studium Integrale. Wenn ihr Fragen zur Prüfungsleistung habt, klickt auf diesen Link.

Roboter

Seit 2011 wächst der Welthandel schwächer als das Weltbruttoinlandsprodukt. Dalia Marin, Professorin an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, erforscht, warum dem so ist und verfolgt dabei zwei Hypothesen:

Hypothese 1:

Der Offenheitsgrad nimmt nicht weiter zu, weil die Roboter zur Rückverlagerung der Produktion von den Billiglohnländern in die reiche Industrieländer führen.

Hypothese 2:

Die Rückverlagerung der Industrie führt zu keinem Beschäftigungsboom in den reichen Industrieländern, weil die Roboter eine kapitalbasierte Technologie sind.

Welche Folgen haben diese Entwicklungen auf den Welthandel und die Beschäftigung in Industrie- und Entwicklungsländern? Werden sie die Ungleichheit zwischen den Löhnen von Hochschulabsolventen verstärken oder abschwächen?

Darüber wollen wir mit euch am Mittwoch, 20.06. um 17:45 Uhr diskutieren. Ort: Hörsaal XXIV, WiSo-Schlauch der Universität zu Köln

Umweltschutz

Ein vorrangiges Ziel von Freihandelsabkommen ist es, Wachstum zu bringen. In der Regel bedeutet mehr Wachstum eine höhere Güterproduktion und damit auch mehr Ausstoß von Treibhausgasen – oder? Denn durch Handel kann man auch dort produzieren, wo es am effizientesten ist oder effiziente Technologien austauschen. Wie stehen diese beiden Effekte gegeneinander? Wie kann man Freihandelsabkommen für den Umweltschutz einsetzen? Welche Ländern nutzen dieses Potenzial, um klimafreundlichen Handel zu fördern?

Darüber spricht Dr. Axel Berger, Leiter der G20 Policy Research Group am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) am kommenden Mittwoch.

Ort: Hörsaal XXIV, WiSo-Schlauch, Uni Köln;  13.06.2018 um 17:45 Uhr

Entwicklungsländer

Gerade auf Entwicklungsländer können internationale Handelspolitiken einen großen Einfluss haben. Sie ermöglichen die internationale Arbeitsteilung und sind Teil globaler Wertschöpfungsketten. Umweltökonomische und soziale Zertifizierung soll dabei sicherstellen, dass die Menschen in diesen Ländern vom Handel profitieren. Aber ist das so? Wie wirkt Handel auf die Agrarwirtschaft, von der nach wie vor etliche Menschen leben? Sind offene Märkte eine Chance oder Risiko für Entwicklungsländer?

Darüber spricht Prof. Ulrike Grote, Direktorin des Instituts für Umweltökonomik und Welthandel der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen am Mittwoch, 06. Juni. Im Anschluss an den Vortrag ist wie immer Zeit für Diskussion und eure Fragen, die bei den Schlagworten FairTrade, Zertifizierung und Wertschöpfungsketten sicherlich nicht zu kurz kommen werden.

Ort: Hörsaal XXIV, WiSo-Schlauch, Uni Köln; Zeit: 06.06.2018 um 17:45 Uhr 

Schiedsgerichte

Die Diskussion um TTIP wurde oft emotional, sobald das Wort “Schiedsgerichte” fiel. Die Entscheidungsgremien tagen unabhängig von staatlichen Gerichten. Stimmten wir TTIP zu, würden wir unsere Gerichtsbarkeit aushöhlen, hieß es oft.

TTIP ist in dieser Form nun vom Tisch. Schiedsgerichte gab es aber auch vor der Diskussion schon, und sie existieren weiterhin. Ist die Gerichtsbarkeit also schon ausgehöhlt? Oder sind die Schiedsgerichte ein wichtiger Mechanismus im internationalen Handelsgefüge?

Diese Fragen wollen wir mit Jun.-Prof. Julian Scheu (International Investment Law Centre Cologne) und Dr. Rhea Hoffmann (Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Markus Krajewski, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) in einem Streitgespräch ausdiskutieren. Scheu betont, warum Schiedsgerichte entstanden sind. Früher kam es bei Investitionsstreitigkeiten nämlich teils sogar zu militärischen Auseinandersetzungen. Wollen wir dahin zurück? “Aufgrund der aktuellen Defizite müsste man die klassische Staats-Investor-Schiedsgerichtbarkeit abschaffen”, sagt Hoffmann hingegen.

Am 16. Mai geht es um 17:45 Uhr los. Moderiert wird das Streitgespräch von Lara Müller (Studentin an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft).

Datum: 16.05.2018   –   Ort: Hörsaal XXIV (Wiso-Schlauch)  –  Zeit: 17:45 Uhr

Streitgespräch verpasst? Hier könnt ihr euch die Videoaufzeichnung der Sitzung ansehen!